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Der Senior nach einer Beinamputation

Das fortgeschrittene Alter führt dazu, dass der Körper von unterschiedlichen Krankheiten befallen wird. Die Immunität der Senioren ist um einiges geringer, sodass selbst harmlose Infektionen für einen älteren Menschen gefährlich sein können.

Manche Erkrankungen können im Alter zu ernsthaften Komplikationen führen, wozu unter anderem auch eine Beinamputation gehört. Wie pflegt man einen Senior, dem ein Bein amputiert wurde? Es ist keine leichte Aufgabe, jedoch machbar.

Welche Krankheiten können zu einer Amputation der Gliedmaßen führen?

Eine Amputation wird durch Ischämie, also Durchblutungsproblemen, der Extremitäten verursacht. Dazu führen vor allem: 

  • Arteriosklerose;
  • Diabetes;
  • Verletzungen durch Unfälle.

 

Bei Amputationen im Bereich des Fußes versuchen Ärzte möglichst viel Knochen zu belassen, damit der Patient nach der Operation stehen und laufen kann.
Bei einer Amputation am Unterschenkel hinterlässt der wenn möglich einen etwa 10 Zentimeter langen Stumpf unterhalb des Knies, damit später daran eine Prothese angelegt werden kann, was leider aber oft nicht möglich ist. Wenn der gesamte Unterschenkel unterhalb des Knies entfernt werden muss,  ist die Funktion des Kniegelenks dann nicht mehr gegeben und die Patienten sind danach deutlich eingeschränkter in der Bewegung.

Bei Amputationen am Oberschenkel könnte der Knochen auf jeder Höhe abgetrennt werden. Allerdings setzen viel Muskeln direkt am Knochen an, deshalb macht man den Schnitt möglichst tief, also nahe am Knie. Damit erhält man eine möglichst hohe Beweglichkeit am Oberschenkelstumpf.

Die Reaktion eines Seniors auf eine Amputation

Unabhängig vom Alter hat jeder ein Problem zu akzeptieren, dass eine Gliedmaße amputiert werden muss. Psychologen beschreiben die Phasen der Bewältigung als Reaktion auf eine Amputation. Die Pflegerin eines Betroffenen sollte wissen, in welcher Phase sich dieser bei der Akzeptanz der Amputation befindet, um hier entsprechend zu unterstützen.

Die Bewältigungsphasen treten in folgender Reihenfolge auf:

Schockphase – diese tritt unmittelbar nach der Operation auf, wenn der Patient bemerkt, dass das Glied tatsächlich amputiert wurde, dieses aber durch Medikamente nicht spürt;

  • Phase, in der man auf eine gesundheitliche Besserung wartet – der Patient denkt irrational und glaubt, dass die Probleme mit dem amputierten Glied bald enden werden und dass man vielleicht noch etwas damit tun kann;
  • Die Phase der Klage – dies ist der schlimmste Moment, da mit aller Brutalität klar wird, dass das Bein wirklich amputiert wurde.

 

In all diesen Phasen ist die psychologische Unterstützung besonders wichtig. Die Akzeptanz und Bewältigung dieser Phasen sind sehr schwer. Hier ist der Betroffene vor allem auf Hilfe von Familie und Freunden angewiesen. Oft ist auch die Pflegerin, die eine Vertrauensperson des Seniors ist, sein Fels in der Brandung bei der Bewältigung der Situation.

Wenn der Senior nach Hause kommt

Während der Betroffene sich noch im Krankenhaus befindet, sollte die Pflegerin dafür sorgen, dass zu Hause alles für seine Ankunft vorbereitet wird. Hier geht es nicht nur um Aufräumarbeiten, sondern vor allem um die Anpassung der Räumlichkeiten an die Behinderung des Seniors. Zu berücksichtigen ist, dass sich der Senior zunächst in einem Rollstuhl fortbewegen wird. Dabei kann es zu Schwierigkeiten bei der Arbeit in der häuslichen Umgebung kommen. Damit sich der Senior nach seiner Rückkehr nicht unwohl fühlt, sollte vor seiner Ankunft alles vorbereitet sein. Natürlich liegt die finanzielle Verantwortung für die Veränderungen im Haus bei der Familie des Patienten. Die Pflegerin sollte signalisieren, dass Diese Anpassungen dazu dienen das Leben des Seniors zu erleichtern.

Wie versorgt man den Stumpf?

Unmittelbar nach der Operation sollte der Stumpf verhärtet werden, um so schnell wie möglich eine Prothese anpassen zu können. Davor muss der Stumpf entsprechend geformt werden. Der behandelnde Arzt erteilt alle nötigen Informationen. Im Allgemeinen wird der Stumpf mit breiten Bandagen verbunden oder es werden sogar spezielle Tragebänder angelegt. Die Pflegerin sollte dem Senior auch dabei helfen, den Stumpf an Druck zu gewöhnen, was bei der Auswahl und Anpassung einer Prothese notwendig sein wird.  Die Überreste des Glieds werden nach einer Amputation anfangs mit etwas Weichem wie z. B. einer Matratze oder Kissen gedrückt und ab und zu auch mit etwas härteren Materialien. Wenn es um die Pflege geht, so bieten sich Feuchtigkeitstücher für Säuglinge an. Mit denen sollte die Wunde morgens und abends abgewischt werden. Diese Tätigkeit gehört von nun an zu den grundlegenden Pflegemaßnahmen des Seniors. Es ist auch wichtig, dass man den Zuckergehalt bei der Ernährung einschränkt. Warum? Ein Übermaß an Zucker fördert den Heilungsprozess der Wunde nicht.

Der Weg von der Amputation bis hin zur Prothese kann bis zu einem Jahr dauern – so lange kann es dauern, bis sich der Stumpf an seine neue Rolle gewöhnt. In diesem Zeitraum sollte die Pflegerin vor allem bei den alltäglichen Dingen behilflich sein und zwar so, dass der Senior weiterhin mit etwas Unterstützung seine Tätigkeiten selbst macht. Der Betroffenen sollte geistig fit gehalten werden und man sollte ihm zeigen, dass - trotz der körperlichen Einschränkungen -  das Leben weiter geht und interessant sein kann.

 

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