Unter dem Begriff Pflege versteht man Maßnahmen, um den Senior zu aktivieren – aber natürlich nur wenn der Senior imstande ist daran teilzunehmen. Gibt es einen Unterschied bei der Pflege von weiblichen oder männlichen Personen? Eigentlich nicht, jedoch sollte man wissen, dass man mit verschiedenen problematischen Situationen konfrontiert werden kann.
Aller Anfang ist schwer
Für einen älteren Mann kann es schwierig werden, sich damit abzufinden, dass man nicht mehr vollkommen selbstständig ist, was sich in Gereiztheit und Empfindlichkeit äußern kann. Deswegen könnte die pflegebedürftige Person, vor allem in den ersten Tagen der Bekanntschaft mit der Pflegerin, schüchtern und unhöflich sein. Es ist eine Form der Verteidigung und ein Versuch das Gesicht in dieser peinlichen Situation zu bewahren. Senioren fühlen sich in dieser Lage oft wieder wie ein kleines Kind, welches eine Betreuerin benötigt. Dies löst in ihnen Frustration aus, mit welcher die Pflegerin umgehen muss. Vor allem sollte man in solchen Situationen viel Geduld haben – ein helfende Hand in kritischen Momenten und nicht Betüdeln und anbiedern wird die Einstellung des Seniors sehr bald zum Positiven ändern. Um den Senior seine Selbständigkeit so weitgehend wie möglich zu erhalten, kann man mit den Angehörigen über bauliche Anpassungen der Wohnung sprechen.
Hier geht es vor allem um folgende Punkte:
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Eine Anti-Rutsch-Matte im Badezimmer;
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Spezielle Handläufe neben der Toilette und der Dusche;
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Treppen in die Badewanne;
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Zusätzliche Beleuchtung.
Dadurch wird sich der Senior um selbstständiger fühlen, was auch seinen psychischen Zustand verbessern wird.
Eine peinliche Barriere
Die Arbeit einer/s Pflegers/in ist nicht nur Frauensache. Mittlerweile werden verstärkt Männer eingestellt, da viele Senioren – gerade Männer – von der Größe und dem Gewicht eine Herausforderung bei der täglichen Hilfe darstellen, welche Frauen oft körperlich nicht zu leisten im Stande sind. Doch zum jetzigen Zeitpunkt wird dieser Beruf überwiegend noch von Frauen ausgeführt.
Leider sind viele männliche Patienten oft gehemmt und weigern sich Hilfe von Frauen anzunehmen, vor allem wenn es die intime Hygiene betrifft. Manche Männer werden sehr verlegen, wenn Ihnen eine Frau in Situationen wie dem Baden, dem Wechsel der Unterwäsche oder der Windelhosen behilflich ist. Es ist eine delikate Angelegenheit und man sollte geduldig versuchen den Senior zu überzeugen. Die wichtigste Rolle sollte in diesem Fall vor allem die Familie spielen. Es ist ihre Aufgabe den Vater oder Großvater darauf vorzubereiten, dass dessen Pflege eine Frau übernehmen wird. Man muss ihm die Möglichkeit geben sich an diesen Gedanken zu gewöhnen und sollte ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen, da dies zu Konflikten führen kann. Wenn ein älterer Mann diese Option kategorisch ablehnt gibt es nur eine Lösung – die Einstellung eines Pflegers.
Wie kann man einen Mann von sich selbst überzeugen?
Wenn sich der potenzielle Patient auf die Betreuung einer weiblichen Person eingelassen hat, kann etwas Zeit vergehen, bis er sich an die Pflegerin gewöhnt hat.
Wie kann man ihn denn überzeugen? Er braucht viel Freiheit – natürlich nur im Einklang mit den ärztlichen Vorgaben. Lassen Sie sich aber auch nicht alles gefallen und stellen Sie klare Grenzen auf, zeigen Sie, dass Sie gewisse Verhaltensweisen nicht wünschen, nur so gewinnen Sie in den Augen des Seniors an Respekt und Anerkennung. Versuchen Sie möglichst viele Informationen über den Senior schon vor dem Kennenlernen zu bekommen. Was mag er, was nicht, seine Lieblingsgerichte, Interessen usw., somit können Sie zeigen, dass Sie die richtige Person für diesen Job sind und vermeiden gleichzeitig Fettnäpfchen. Zur Pflege gehört natürlich auch die Aktivierung. Hier sollten Übungen gewählt werden, die im Interesse der pflegebedürftigen Person liegen. Wenn der Senior imstande ist sich selbst zu bewegen, kann man einen Ausflug unternehmen, eine Nordic-Walking-Tour machen oder sich in einen Seniorenklub einschreiben. Wenn der Senior nicht mobil ist, empfiehlt es sich Gedächtnistraining zu machen - Rätsel, Kartenspiele, Scribble oder andere Spiele können helfen geistig aktiv zu bleiben.
Wenn nichts hilft
In den meisten Fällen akzeptieren Männer letzten Endes die Betreuung durch eine weibliche Person und erlauben die pflegerischen Maßnahmen ohne dabei Scham zu empfinden. Falls jedoch der Senior damit nicht zurechtkommen sollte, sollte man einen Wechsel des Arbeitsplatzes in Erwägung ziehen. Natürlich sollte die Pflegerin im Rahmen ihrer Tätigkeiten die festgelegten Aufgaben ausführen – allerdings gibt es dabei Grenzen. Wenn der Senior nicht mit einer weiblichen Pflegerin klarkommt ist die Einstellung eines Pflegers die einzige Lösung, denn sonst wird es sehr schwer vernünftig zu arbeiten und dem Senior die richtige Hilfe zukommen zu lassen. Wenn nötig können Sie auch die Familie des Seniors um Unterstützung bitten, aber wenn diese auch scheitert, sollten Sie die Tätigkeit beenden.