Das Gefühl der Leere bleibt nach dem Tod einer nahstehenden Person, es ist ein normaler Vorgang. Egal wie banal es klingt - jeder Schmerz und jeder Verlust braucht vor allem Zeit, um verarbeitet zu werden., Um diese Zeit gut zu überstehen ist es wichtig, die eigenen Emotionen zu verstehen. Wichtig ist, sich bewusst zu werden, das jeder von uns mit dem Verlust von geliebten Personen zurechtkommen und die Trauerzeit durchstehen muss. Hier geht es um die psychische Trauer und nicht um die Zeit, in der man tradiotionsgemäß schwarze Kleidung trägt.
Jede Person verarbeitet Trauer und Stress anders und versucht auf verschiedenste Arten damit zurechtzukommen. Um zurück zum seelischen Gleichgewicht zu gelangen, braucht es vor allem Zeit.
Trauernde Personen wirken oft intuitiv, sind sich unsicher bezüglich der Zukunft und was noch alles passieren kann. Dieser Zustand ist normal und sollte von alleine vorübergehen. Viele Menschen müssen in dieser Zeit über den Tod und das Geschehene, den Verlust und die Trauer sprechen, um diese Emotionen zu verarbeiten. Andere wandeln sich in diesesr Zeit ins Gegenteil. Sie sind verschlossen, unzugänglich und erleben die Trauerzeit alleine und für sich. Die Trauerzeit ist ein langer, in Etappen getrennter Prozess.
Die Psychotherapeutin Elizabeth Kubler-Ross, die sich mit den Problemen des Sterbens und dem Tod beschäftigt, hat diese Etappen der Trauerzeit aufgeteilt und genannt. Die erste Etappe ist Nicht-Wahrhaben-Wollen und Isolierung, wo wir den Schock erleben, es kommt zur Verdrängung und Misstrauen. Die nächste Etappe ist die Phase des Zorns und Ärgers. Hier kämpfen wir mit verschiedenen, sehr negativen Emotionen, die nicht selten mit dem Ärger auf die gestorbene Person verbunden sind, auf das, was sie uns angetan hat, als auch auf die Umstände, auf die wir ausgesetzt sind. Die dritte Etappe wurde als “Aushandeln, Negoziation, Verhandlungen” genannt - das ist dieser Moment, wenn man die Stabilisation sucht, wir möchten etwas gewinnen, im gewissen Sinn mit sich selbst zurechtzukommen. Danach kommt es zu der vierten Etappe - Depression, wo wir das Gefühl der Niedergeschlagenheit erleben, unser Selbstwertgefühl wird niedriger, es erscheint die Trauer, Leid, schreckliche Leere. Die fünfte Etappe, also die letzte, ist die Akzeptanz der entstandenen Situation. Hier fangen wir an uns zu beruhigen, sich mit dem Verlust und mit der neuen Realität abzufinden, wir lernen das neue Leben zu führen, am Ende finden wir die Ruhe.
Diese Etappen sind sehr oft nicht stark abgegrenzt, nicht selten fühlen wir sie parallel. Sie können in unterschiedlicher Reihenfolge erscheinen, manchmal kehren wir zurück zu der vorherigen Etappe. Aber um die Trauerzeit völlig und wirksam zu erleben, was uns den Abschluß des schmerzhaften Kapitels ermöglicht, ist es notwendig durch alle diese Etappen zu gehen. Nur danach werden wir imstande sein uns auf für Neues zu öffnen. Das ist eine schwere und erschöpfende Zeit, sehr oft schließt sie uns von der Normalität aus. Das ist die Zeit der Zweifel, des Nachdenkens, der Fragenstellung, auf die wir am meistens keine Antwort finden. Wir sollten die Zeit der Trauer nicht abkürzen. Diese Verarbeitung erfolgt langsam, weil wir wahrscheinlich so viel Zeit einfach brauchen.
Ist es möglich sich mit dem Schmerz zu versöhnen? Ja, aber es kommt manchmal vor, dass einige Personen lebenslang ihre persönliche Energie und Fröhlichkeit nicht zurück gewinnen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass wir den Verlust vergessen.
In dieser sehr schweren und stressvollen Periode, versuchen wir allein zurechtzukommen, wir suchen nach der Unterstützung bei den Familienmitgliedern, bei freundlichen Personen. Wenn wir glücklicherweise solche Personen bei uns haben, vertrauen wir ihnen und sie leisten uns Hilfe. Es lohnt sich davon Vorteile zu ziehen. Manchmal reicht schon der Gedanke, dass wenn wir Hilfe brauchen, wir jemandem haben an den wir uns wenden können. Das ist sehr vorteilhaft und gibt uns eine emotionale Sicherheit. Man sollte sich selbst zu nichts zwingen und wenn wir weinen wollen, Ruhe und Stille bevorzugen, ist das eben so für den Moment. Es gibt Momente, wo der Kontakt mit anderen Personen für uns anstrengend ist, vor allem wenn wir die frischen Wunden nicht aufreißen möchten. Ständig tauchen dieselben Fragen auf oder uns wird mit übermässiger Sorge begegnet. Weinen ist sehr wichtig, denn statt negative Emotionen anzusammeln, ist es für die Psyche wichtig diese rauszulassen, schreien oder weinen sie, das hilft.
Falls sie aber merken, dass sie allein nicht mehr mit der Situation klarkommen, sollten sie sich dringend Hilfe holen. Fachpersonen, Psychiater oder Psychotherapeuten sind gute Ansprechpartner und helfen bei der Trauerbegleitung. Ältere Personen mögen solche Treffen mit dem Psychologen oder mit dem Psychiater nicht, aber die Tendenz ändert sich und das Thema weckt keine Schamhaftigkeit mehr. Wir sollen uns davor nicht fürchten, denn manchmal ist es einfacher sich mit einer Person auszusprechen, die neben den ganzen Sachen steht und die emotional nicht verbunden ist, es besteht also keine Gefahr diese Person emotional zu überlasten.
Oft bekommt man Medikamente, die die Spannungen der Psyche lösen helfen, ebenso sollte man sich Hilfe holen, wenn man Probleme mit dem Schlafen hat. Eine gut gemachte Psychotherapie hat die Aufgabe die Emotionen zu ordnen, zu lernen mit ihnen umzugehen, sich in der neuen Realität voller Ungewissheiten zu stellen. Im Endeffekt beschleunigt sie den ganzen Prozess der Stabilisierung der Emotionen. Die Psychotherapie kann individuell oder in der Gruppe durchgeführt werden. Die Einzeltherapie findet zwischen Psychotherapeut und Patient statt, in der Gruppe treffen wir Personen mit ähnlichen Erfahrungen, wir können über unsere Empfindungen sprechen, über unsere Tätigkeiten und was bei uns eben geschieht. Es ist auch die Möglichkeit über die Befürchtungen und Ängste zu sprechen, die für uns neu sind, aber vor allem gibt es uns das Wissen, dass wir nicht damit alleine sind, und dass was wir eben erleben, ganz normal ist. Wir müssen auch uns klar machen, dass es viel besser ist mit anderen zu sprechen über das, was sie verstehen - dies hilft uns uns zu öffnen und dann das Thema zu verarbeiten.
Eine Alternative zur Psychotherapie kann eine Unterstützungsgruppe sein, wie z.B. bei Zentren der psychologischen Hilfe oder bei Stiftungen. Heutzutage können wir diese auch im Netz finden, auf verschiedenem Foren oder Online-Informationsdiensten, die sich mit dem Thema der Psychologie beschäftigen. Der Hilfebedarf ist sehr groß und die Nachfrage steigend. Menschen, die anonym sind, teilen mit anderen die Erfahrungen, sie unterstützen sich gegenseitig, und wenn sie an diesem Punkt angekommen sind, besprechen sie mit anderen Personen das was sie erlebt haben. Personen, die noch am Anfang ihrer Trauer stehen, werden eher mit Unverständnis reagieren.
Die Trauerzeit ist immer eine schwere, emotionale Zeit, aber aus jeder Erfahrung gewinnen wir Wissen über uns selbst, und sammeln neue Erfahrungen. Das hängt von uns und unserer Reife ab auf welche Art und Weise wir durch diese Zeit gehen werden und ob wir uns selbst die Chance geben werden, nicht völlig in der Trauer zu versinken. Die Trauerzeit und der Vorgang der Verarbeitung lässt sich nicht beschleunigen, aber es kommt der Zeitpunkt, wo man zur Normalität zurückkehren kann. Sich damit abzufinden bedeutet nicht, daß wir vergessen, aber man ist wieder in der Lage sich auf Neues zu freuen und auf eine positive Zukunft zu hoffen. Anfangs wird man zaghaft sein, sich kleine Vergnügungen zu gönnen und sich stückchenweise mit der Situation abfinden. Trotz des großen und schmerzhaften Verlustes ist es wichtig sich um sich selbst zu kümmern, sowohl für die Familienmitglieder als auch für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit.