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Die Pflegerin und die Verwandten eines Patienten- familiäre Probleme und wie geht man damit um

Bei der Betreuung eines Seniors kommt man unweigerlich in engen Kontakt mit dessen Familie und den familiären Problemen. Oft wird die Pflegerin direkt mit unschönen Szenen konfrontiert und wird Zeuge familiärer Differenzen.

Wie verhält man sich in einem komplizierten Beziehungsgeflecht innerhalb einer Familie, was soll man unternehmen, wenn der Patient seine Familie ablehnt, er mit ihr zerstritten ist, oder die Verwandten sich kaum um ihn kümmern?

Zuerst muss sich die Pflegerin im Klaren darüber sein, dass sie eine Außenstehende ist, die die Folgen einer jahrelangen Beziehung mit Vorgeschichte erlebt. Da sie nicht beurteilen kann, ob es der Mangel an Empathie, Sorgen, oder auch Widerwille ist, die sich in der heutigen Beziehung spiegeln, ist es schwer für sie, sich ein objektives Bild zu machen.

Natürlich ist es für die Pflegerin nicht einfach und es ist schwer abzuschätzen, wer und in welcher Weise jemand Schuld an der momentanen Situation trägt. Eine komplizierte familiäre Beziehung hat natürlich indirekten Einfluss auf die tägliche Arbeit mit dem Senior, dennoch ist es wichtig, sich als Außenstehende nicht als Richter über richtig und falsch zu geben. 

Die Pflegerin sollte sich neutral verhalten und sich nicht einmischen, auch nicht als selbsternannter Vermittler, um die Wogen zu glätten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich innerhalb der Familie Widerstand gegen die Pflegerin formiert und die Situation noch schlechter wird. Denn niemand mag es, wenn sich Außenstehende um familiäre Probleme kümmern.

Um den Konflikt nicht zu verschärfen, sollte man versuchen sich distanziert zu verhalten, solange es keinen direkten Handlungsbedarf gibt. Natürlich ist viel Taktgefühl und Selbstdisziplin nötig,  um sich nicht in familiäre Intrigen hineinziehen zu lassen. Auch nicht, wenn man bedrängt wird, direkt Partei zu ergreifen und sich auf eine Seite ziehen zu lassen.

Soweit möglich ist absolute Neutralität gefragt, solange man nicht direkt von einer der beiden Parteien aufgefordert wird seine Meinung zu sagen, sollten Einmischungen, Meinungen und Beurteilungen nicht abgegeben werden. Auf keinen Fall sollte man den Konflikt verschärfen, indem man sich auf irgendeine Seite stellt oder sich negativ über eine andere Person äußert, wenn man mit der jeweils anderen „Partei“ spricht. Ein solches Verhalten ist unreif und unethisch und führt zum Verlust der Glaubwürdigkeit, stört auf lange Sicht die Arbeit, oder kann sogar zum Verlust des Pflegeauftrages führen.

Falls die Pflegerin wider Willen Zeuge eines Streits werden sollte, oder barscher Worte und unangenehmer Situationen, sollte sie sehr diskret die Situation beobachten und sich sehr diplomatisch äußern, wenn sie zu einer Meinungsäußerung genötigt wird.

Grundsätzlich sollte die Pflegekraft neutral bleiben, aber es gibt natürlich Situationen, in denen ein Eingreifen erforderlich wird. Wenn zum Beispiel ein Senior Hilfe benötigt, weil er leidet, die Lust am Leben verliert, oder in Apathie verfällt. Hier ist Unterstützung und Empathie sehr wichtig, damit verstanden werden kann, was genau vorgefallen ist und wie entsprechend reagiert werden muss. Wenn der Senior eine komplizierte, familiäre Situation schwer verkraftet und deswegen oft niedergeschlagen und traurig wirkt, ist ein Gespräch sehr hilfreich, in dem man versucht, die Situation zu mildern und beschwichtigend einwirkt. Wichtig ist, dass, falls der Senior wirkt, als ob er seine Familie nicht mag und ihr feindlich gegenüber eingestellt ist, es eine Art Abwehrmechanismus sein kann, um sich die Situation nicht zu nahe gehen zu lassen.  Unter der Maske eines kalten, unerschütterlichen, alten Mannes kann sich eine Person, die eine gesunde Beziehung zu ihrer Familie sehr braucht, verbergen. Wenn es gelingt Zugang zu dem Senior zu gelangen und er sich der Pflegerin gegenüber öffnet, ist eine taktvolle Hilfe bei Verbesserung der familiären Situation möglich und würde allen Beteiligten sicher sehr entgegenkommen.

In Situationen, in denen der Senior leidet, weil seine Familie aufgrund seiner negativen Art oder geäußerten Abneigung ihr gegenüber, den Kontakt eingestellt hat, kann man, um negative Auswirkungen auf seine emotionale, geistige und körperliche Verfassung zu verhindern, versuchen seine Stimmungslage aufzuhellen.

Wenn man versucht mit der Familie zu sprechen, sollte man keine Vorwürfe machen, keine Fehler aufzeigen, die Familie nicht angreifen und ihr den Mangel an Kontakt mit dem Senior vorhalten, sondern versuchen zu erklären, dass man in Sorge um das Wohlbefinden des Seniors ist, erklären, warum der Senior so reagiert und wie wichtig die Beziehung zu seinen Verwandten ist. Das kann der Familie dabei helfen zu verstehen und Hintergründe des Handelns aufzeigen, wovon sie vielleicht bisher keine Ahnung hatten. Ein gut vorbereitetes Gespräch kann den Angehörigen aufzeigen, dass sie gebraucht werden und es zu ihren Pflichten gehört, sich um den Senior zu kümmern. Womöglich ändert es die unangenehme Situation, aber letztendlich kann man vorher nicht absehen, welchen Effekt ein offenes Gespräch mit der Familie haben kann, aber einen Versuch ist es wert. Diese Unterhaltung sollte ohne den Senior stattfinden, denn eine Konfrontation des Seniors mit der Familie - vor einer Klärung - wird sicher nicht zu einem gewünschten positiven Ergebnis führen.

Sicher ist es nicht einfach für die Pflegerin sich mit Themen auseinanderzusetzen, die nicht zu ihren Aufgaben gehören, aber mit denen sie konfrontiert wird. Einerseits gibt es die Sorge um den Senior, für den sie verantwortlich ist, andererseits die Familie, die ein gewisses Mitspracherecht hat. Wichtig ist, dass das Wohlbefinden des Patienten an erster Stelle stehen muss, deshalb sollte man gut abwägen, ob es eine Aussicht auf Erfolg hat, wenn man das Gespräch mit der Familie sucht.

 

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