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Variierende Vorlieben im Geschmack und Appetit bei älteren Personen.

Appetitlosigkeit bei älteren Menschen ist ein erhebliches Problem und keine einfache Herausforderung, nicht nur für den Diätassistenten sondern auch für die Pflegerin. Wie kommt es dazu und wie geht man am besten damit um?

Der natürliche Alterungsprozess und die damit verbundenen Veränderungen im Körper.

Appetit, ein natürlicher Prozess um den Hunger zu beruhigen und das grundlegendste Bedürfnis  jedes Menschen. Es wird vom Hypothalamus kontrolliert, wo sich Appetit- und Sättigungszentrum befinden, die empfindlich auf den Glukosespiegel im Blut reagieren. Wenn das Niveau sinkt, fließt ein Signal vom Gehirn, um die Lücken zu füllen und wir beginnen hungrig zu werden, da das Sättigungszentrum anfängt zu wachsen. Bei älteren Menschen ist dieser Mechanismus gestört, was auf den natürlichen Alterungsprozess des Körpers zurückzuführen ist. Senioren vergessen oft Nahrung zu sich zu nehmen. Der Appetitverlust wird auch durch Veränderungen im Verdauungssystem verursacht, was mit dem Alter zusammenhängt. Der Stoffwechsel bei älteren Menschen verlangsamt sich, was mit einem geringen Energiebedarf verbunden ist. Zahnmängel erschweren die Nahrungsaufnahme und begrenzen deren Vielfalt. Auch eine schlechte Prothese erschweren das Ganze. Die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen ist gestört, was wiederum zu Mangelerscheinungen führt. Außerdem ist die Wahrnehmung von Geschmack und Geruch gestört, was mit dem Verschwinden von Geschmacksknospen und Geruchszellen verbunden ist. All dies trägt dazu bei, dass man keine Freude mehr am Essen hat.  

Mehrere Krankheiten und Medikamentenvielfalt.

Die bei älteren Menschen häufig auftretenden gastrointestinalen Störungen, wie entzündliche Darmerkrankungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Erkrankungen der Speiseröhre und der Bauchspeicheldrüse, sind eine weitere Ursache für die Appetitlosigkeit. Sodbrennen, Durchfall, Blähungen, Verstopfungen, also unangenehme Symptome, die während des Essens oder unmittelbar nach einer Mahlzeit auftreten, verringern die Lust am Essen. Weitere Krankheiten in Bezug auf ältere Menschen, die den Organismus schädigen und die Appetitlosigkeit beeinflussen, sind Krebs, neurologische Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson), kardiologische Erkrankungen oder Depression. Darüber hinaus nehmen Senioren oft eine große Menge an Medikamenten, die das Geschmacksempfinden beeinflussen oder den Appetit reduzieren können.

Die gesellschaftliche und finanzielle Situation.

Die wirtschaftlichen und psychosozialen Faktoren spielen hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Einsamkeit, depressive Verstimmung, Isolation, Verlust des Ehepartners begünstigen nicht den Appetit. Ältere Menschen sind oft von anderen abhängig, sie sind nicht imstande selbst einkaufen zu gehen oder Mahlzeiten zuzubereiten. Darüber hinaus können sie sich schämen in Gegenwart von anderen Menschen zu essen, da ihre Hände zittern, sie an Zahnmangel leiden oder Probleme beim Schlucken haben. Ungünstige finanzielle Situationen führen oft dazu, dass man die falsche Wahl an Lebensmittel trifft. Anstatt gesunde und nahrhafte Nahrungsmittel zu wählen, greifen Senioren oftmals zu billigeren und leider auch qualitativ schlechteren Produkten.  

Appetitmangel führt dazu, dass Mahlzeiten ausgelassen werden, was wiederum zum Auftreten von Mangelernährung beiträgt und zur Unterernährung von Senioren führt.

Wie erhöht man den Appetit bei älteren Menschen?

Die Verbesserung des Appetits ist sehr wichtig, denn eine richtige Ernährungsweise beeinflusst nicht nur die Lebensqualität sondern auch die Lebensdauer.

  • Es ist sehr wichtig, dass die Senioren Freude am Essen haben, unter Berücksichtigung ihrer Einschränkungen, die beispielsweise mit dem Geschmacks- und Geruchssinn zusammenhängen. Es lohnt sich appetitanregende Gewürze, wie Basilikum, Koriander, Paprika, Meerrettich, Zimt oder Lorbeer einzuführen. Gut gewürzte und aromatische Gerichte werden gerne gegessen.  
  • Es sollten auch die Ernährungsgewohnheiten älterer Menschen berücksichtigt werden und die Produkte, die sie gerne essen mit in die Diät aufgenommen werden. Man sollte ältere Menschen nicht zum Essen zwingen, da es für sie nur eine weitere Stresssituation in ihrem Leben sein kann. Es ist vorteilhaft kleinere Portionen, in kürzeren Abständen, alle 2-3 Stunden zu sich zu nehmen. Natürlich sollte sichergestellt werden, dass diese Mahlzeiten gesund sind.
  • Im Kampf gegen die Appetitlosigkeit hilft ein buntes und abwechslungsreiches Menü. In der Nahrungsmittelration für einen gesamten Tag sollte sich eine Vielzahl von Nahrungsmitteln befinden. Es sollte nicht an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, sowie Milch und Milchprodukten, magerem Aufschnitt, Fleisch oder Eiern mangeln und mindestens zweimal die Woche sollte Fisch auf dem Teller erscheinen. Es ist auch wichtig, dass man keine Mahlzeiten wiederholt, indem man jeden Tag zum Frühstück belegte Brote und zum Mittag Suppe serviert. Die Mahlzeiten sollten leicht verdaulich sein und man sollte fetthaltige und frittierte Mahlzeiten meiden.
  • Ältere Menschen sind anfälliger für eine Austrocknung des Körpers, was viele negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Eine entsprechende Menge an Flüssigkeit unterstützt das reibungslose Funktionieren des Herz-Kreislauf-Systems und das Servieren eines Getränks zu den Mahlzeiten erleichtert das Schlucken. Daher ist es wichtig den Körper mit ausreichend viel Flüssigkeit zu versorgen. Es wird empfohlen 8 Gläser Wasser am Tag zu trinken.  
  • Es ist ebenso wichtig, auf eine angenehme Atmosphäre während des Essens zu achten und die Mahlzeiten ästhetisch zu servieren, die durch ihr Aussehen und Geruch zum Verzehr ermutigen.
  • Körperliche Aktivität ist ein weiterer Faktor, der sich positiv auf den Appetit auswirkt. Die richtige Menge an Bewegung, vor allem an der frischem Luft, wird Senioren eher dazu bringen, etwas zu essen.  

Weniger häufig, aber auch bei älteren Menschen vorzufinden ist der übermäßige Verzehr von Lebensmitteln, also ein übermäßiger Appetit. Es charakterisiert sich durch das Naschen zwischen den Mahlzeiten, sowie der Tendenz auch nachts zum Essen zu greifen. Dies kann natürlich auch mit bestehenden Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Ein übermäßiger Appetit betrifft häufig ältere Menschen mit Alzheimer oder die an Altersdemenz leiden. Ein anderer Grund kann Stress sein. Manche Menschen hören ganz einfach auf zu essen, um dagegen anzukämpfen, andere wiederum greifen häufiger als gewöhnlich nach Essen und die Produkte, die sie wählen, liefern meistens keine essentiellen Nährstoffe, wie Süßigkeiten und salzige Snacks. Ein weiterer Grund für das übermäßige Essen von Senioren könnte die Erinnerung an die Vergangenheit sein, an die Zeiten des Krieges, in denen die Regale in den Läden leer waren und der Zugang zu Lebensmitteln begrenzt war. Ältere Menschen essen daher im Voraus, da sie Angst haben, dass die alten Zeiten wiederkehren könnten.  

Sowohl der Mangel als auch das Überangebot an Lebensmitteln haben schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Appetitlosigkeit führt zu einer Mangelernährung, die zum vorzeitigen Tod führen kann. Die Folge übermäßigen Essens sind Übergewicht und Fettleibigkeit, die bei älteren Menschen viel schwieriger zu bekämpfen sind, nicht nur aufgrund von Veränderungen im Körper, sondern auch aufgrund einer geringeren Aktivität. Um solche Situationen nicht zuzulassen, ist eine korrekte, ausgewogene und individuell abgestimmte Ernährung notwendig.

 

LITERATURVERZEICHNIS:

Bulczak E. Zaburzenia węchu u osób w podeszłym wieku i ich wpływ na sposób odczuwania smaku i poboru żywności. POSTĘPY DIETETYKI W GERIATRII I GERONTOLOGII 2017;2(3):31-36.

Zielińska A. Lelińska A. Wybrane aspekty starzenia i rola diety w zachowaniu zdrowia u osób starszych. POSTĘPY DIETETYKI W GERIATRII I GERONTOLOGII 2018;1(4)29-34.

Mirosław Jarosz „Praktyczny podręcznik dietetyki”, IŻŻ, Warszawa 2010.

 

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